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Natur und Erholung im Sachsenwald

Die Familienchronik

Die Bismarcks stammen aus Stendal in der Altmark, südöstlich von Friedrichsruh. Ihr erster namentlich bekannter Vorfahre, Herbordus de Bismarck, wurde dort 1270 urkundlich erwähnt. Mitglieder der Familie waren als Kaufleute und Ratsherren tätig und gehörten der Gewandschneidergilde an.

Herbordus’ Enkel Rule (Rudolf) I. stand Anfang des 14. Jahrhunderts der Gewandschneidergilde vor. Gemeinsam mit seinem Sohn Nikolaus setzte er sich für die Gründung einer städtischen Schule ein, die 1338 gegen kirchlichen Widerstand erfolgte.

Nikolaus unterstützte den Markgrafen Ludwig von Brandenburg politisch und finanziell in dessen Auseinandersetzung mit dem Herzog von Braunschweig. Für seine Dienste wurde er 1345 gemeinsam mit seinen Brüdern mit der Burg Burgstall nördlich von Magdeburg belehnt.

Rules Sohn Nicolaus von Bismarck war Rat des brandenburgischen Markgrafen Ludwig des Älteren. Er unterstützte ihn politisch und finanziell bei der Sicherung seiner Herrschaft über die Mark Brandenburg. Als Anerkennung wurden Nicolaus und seine Brüder 1345 mit der Burg Burgstall nördlich von Magdeburg belehnt.

Später übernahm Nicolaus das Amt des Stiftshauptmanns im Erzstift Magdeburg. Zu seinen Aufgaben gehörte die Verwaltung der Finanzen. Durch die Einlösung verpfändeter Güter verbesserte er die wirtschaftliche Lage des Erzstifts. Nach dem Tod des Erzbischofs trat er als Hofmeister und Kanzler in den Dienst des Markgrafen Otto von Brandenburg und bekleidete damit zentrale Ämter der markgräflichen Verwaltung.

Die Burg Burgstall blieb von 1345 bis 1562 im Besitz der Familie von Bismarck. Auf Betreiben des Kurprinzen Johann Georg musste die Familie den Besitz abgeben. Im Gegenzug erhielten die vier dort ansässigen Bismarck-Vettern die ehemalige Propstei des Klosters Krevese sowie die Güter Schönhausen und Fischbeck.

Zwischen 1695 und 1700 ließ August II. von Bismarck das Schloss Schönhausen errichten. Er war als Landrat tätig und stand im Dienst zweier preußischer Könige. Das Verhältnis zwischen der Krone und den altmärkischen Adelsfamilien war jedoch nicht frei von Spannungen. Friedrich Wilhelm I. bezeichnete die Bismarcks ebenso wie die Schulenburgs und Alvenslebens als „vornehme“, jedoch „schlimm ungehorsame“ Leute.

August Friedrich von Bismarck nahm als preußischer Offizier am Ersten Schlesischen Krieg teil. Für seinen Einsatz in der Schlacht bei Mollwitz erhielt er von Friedrich II. den Orden Pour le Mérite, eine der höchsten preußischen Auszeichnungen. In der Schlacht bei Chotusitz wurde er schwer verwundet und anschließend von österreichischen Husaren getötet.

Sein Sohn Karl Alexander übernahm Schönhausen. Er interessierte sich für die Literatur und Kammermusik seiner Zeit. Von seinen vier Söhnen erbte der jüngste, Ferdinand, das Gut.

Ferdinand heiratete die 17-jährige Wilhelmine Luise Mencken. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, von denen Bernhard, Otto und Malwine das Erwachsenenalter erreichten. Otto von Bismarck wurde am 1. April 1815 in Schönhausen geboren, gut elf Wochen vor der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815.

Otto von Bismarck (1815–1898) prägte als preußischer Ministerpräsident und erster Reichskanzler die deutsche und europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts. Das Bismarck-Museum, das Bismarck-Archiv und die Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh dokumentieren sein Leben und politisches Wirken. Zu den Beständen gehören seine umfangreiche Korrespondenz, Schriften, persönliche Gegenstände und zahlreiche ihm verliehene Orden.

1847 heiratete er Johanna von Puttkamer. Aus der Ehe gingen die drei Kinder Marie, Herbert und Wilhelm hervor. Bismarck war maßgeblich an der Gründung des Deutschen Reiches 1871 beteiligt. Während seiner Amtszeit wurden die gesetzliche Krankenversicherung, die Unfallversicherung sowie die Invaliditäts- und Altersversicherung eingeführt. Seine Außenpolitik nach 1871 zielte darauf ab, die Stellung des Deutschen Reiches durch ein europäisches Bündnissystem zu sichern und weitere Kriege zwischen den Großmächten zu verhindern. Otto-von-Bismarck-Stiftung

Im sogenannten Kulturkampf versuchte Bismarck, den Einfluss der katholischen Kirche zurückzudrängen. In diese Zeit fallen unter anderem die Einführung der obligatorischen Zivilehe und die Durchsetzung der staatlichen Schulaufsicht. Von einer vollständigen Trennung von Kirche und Staat kann jedoch nicht gesprochen werden. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

Sein Sohn Herbert arbeitete eng mit ihm zusammen und wurde Staatssekretär des Auswärtigen Amts. Herbert hatte fünf Kinder: Hannah, Goedela, Otto, Gottfried und Albrecht. Sein Sohn Otto, war Diplomat und später Bundestagsabgeordneter. Er heiratete die Schwedin Ann Marie Tengbom. Das Paar hatte sechs Kinder: Mari Ann, Ferdinand, Carl-Alexander, Maximilian, Gunilla und Leopold.

Verantwortung und Transparenz: Zur historischen Aufarbeitung der Bismarck’schen Forstbetriebe

während der NS-Zeit


Sachsenwald, 16. September 2026 

Ich habe den renommierten Historiker Dr. Christian Schölzel mit einer zeithistorischen Untersuchung der Verantwortung meines Großvaters Otto Fürst von Bismarck (1897–1975) für Zwangsarbeit in der NS-Zeit betraut. Im Fokus der wissenschaftlichen Aufarbeitung steht die lückenlose Rekonstruktion des Einsatzes von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in den damaligen Forst- und Gutsbetrieben im Sachsenwald. Die jüngste öffentliche Debatte über die historische Verantwortung des Hauses habe ich zum Anlass genommen, die Erforschung dieses spezifischen Themenkomplexes in die Hände eines unabhängigen Experten zu legen und damit das Fundament für eine vollkommen transparente Aufarbeitung zu schaffen.

Wir stellen uns der Verantwortung unserer Familiengeschichte ohne Vorbehalte. Eine ehrliche Erinnerungskultur duldet keine Grauzonen. Deshalb habe ich mich bewusst für den Weg der maximalen Transparenz und der bedingungslosen, unabhängigen Aufklärung durch die Wissenschaft entschieden.

Garantierte wissenschaftliche Unabhängigkeit

Um eine objektive und den strengen Standards der freien Forschung entsprechende Arbeit zu gewährleisten, wurde zwischen mir und Dr. Christian Schölzel vertraglich eine strikte Unabhängigkeit vereinbart. Seitens des Forstbetriebes und meiner Familie wurde ausdrücklich auf jegliche inhaltliche Einflussnahme, redaktionelle Kontrollrechte oder Kürzungsrechte bei der Quellenauswertung und Ergebnisdarstellung verzichtet. Die Verpflichtung zur vollständigen Offenlegung ist fester Bestandteil unserer Vereinbarung: Der finale Forschungsbericht wird nach Abschluss der Archivarbeiten im Jahr 2027 uneingeschränkt publiziert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine vorherige Freigabe oder Zustimmung durch uns ist nicht erforderlich.

Der Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in den damaligen Forstbetrieben ist eine bedrückende Tatsache. Das damit verbundene Leid der betroffenen Menschen erfüllt die heutige Generation meiner Familie mit tiefer
Betroffenheit. Es ist ein zentraler Kern des Forschungsauftrags an den Historiker, das Ausmaß des Zwangsarbeitereinsatzes, die Lebensbedingungen der Betroffenen vor Ort und die Verantwortlichkeiten lückenlos und ohne jede Beschönigung zu dokumentieren.

Über den beauftragten Historiker 

Dr. Christian Schölzel verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Erforschung und Vermittlung der NS-Zwangsarbeit. Er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator unter anderem in den Gedenkstätten Sachsenhausen und Buchenwald tätig und wirkte 2003 an der Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau mit. Neben zahlreichen Publikationen zur Zeitgeschichte erschien von ihm 2013 eine monographische Studie über Zwangsarbeiter aus dem Unabhängigen Staat Kroatien. Seine jüngste Arbeit ist ein Beitrag über den Raub jüdischen Eigentums im von Deutschen besetzten Serbien zu einer Doppelmonographie, die in diesem Jahr erschienen ist. Ich bin dankbar, dass wir mit Dr. Schölzel einen ausgewiesenen Experten für dieses wichtige Vorhaben gewinnen konnten.

Gregor von Bismarck

Inhaber des Forstbetriebs Sachsenwald